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Das grosse Schweigen und der Bruch 07/29/2008

Posted by Benji in Allgemein.
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Der Tag begann, und irgendwie war ich eigentlich ganz entspannt. Ich war wunderbar in der Zeit, alles ganz normal, hab das Buch sicherheitshalb in meine Tasche gepackt und schloss also die Tür hinter mir, und ging die Treppen hinunter. Dort aus dem Haus getreten kam ich noch knapp drei Schritte, bevor ich mich aufgebend hingesetzt habe.
Ich habe auch heute noch keine Ahnung, was das war aber es hat so verdammt weh getan, keinen Schritt konnte ich mehr tun…
Nach 5 Minuten stand ich langsam auf und wollte weitergehen, aber mehr als 50 Meter kam ich auch nicht, ich hab mich bis dahin zusammen gerissen, aber dann war fertig und ich hab mich gleich wieder hingesetzt. Es ging 5 Minuten, es ging 10 Minuten und ich wusste ich kriege meinen Zug jetzt nicht mehr.
Ich wollte aufstehen und es ging nicht… ich hab verzweifelt darüber nachgedacht, ob es wohl besser wäre wieder hoch zu gehen, wieder nach Hause. Aber der Gedanke den Weg dahin zurückzu legen war genauso unmöglich wie den Rest des Weges zum Bahnhof zu schaffen… super Andy hockt da irgendwo am Weg auf nem Stein und ist bleich, kann weder vor noch zurück… Der erste Mann geht auch schon an mir vorbei und sieht mich komisch an… ja vielen dank, wirklich sehr reizend…
Aber noch viel wütender, als dass ich da einfach irgendwie ausgeliefert dort sass, machte mich der Gedanke, dass es natürlich genau gestern sein musste. Genau an diesem Tag.  Ich sah auf die Uhr und wusste der Zug war schon bei der nächsten Station durch.
Nach weiteren 10 Minuten kämpfte ich mich verbissen hoch und ging, hab alles ignoriert und ging weiter, während dem gehen schien nach einer Zeit besser zu werden… komische Sache, man könnte ja denken, dass das bei einem weiblichen Körper durchaus mit Frauenproblemen zusammen hängt – aber sowas wie gestern hab ich wirklich noch nie erlebt… wenn ich nicht so verbissen daran gedacht hätte das ich jetzt einen Scheiss tue und verdammt nochmal zur Arbeit gehe und nicht derjenige sein werde, der einen Grund gibt um den Abend platzen zu lassen, hätte ein normaler Mensch sich vielleicht gefragt ob ich jetzt sterbe…

Jedenfalls kam ich dann doch noch bei der Arbeit an und es ging immer besser. Unten aus der Garderobe getreten, und der erste der mit nem Tempo an mir vorbeirauscht und sich umdreht und mir ein „hi“ zuwirft ist natürlich genau ER.

In der frühen Pause hab ich ihn zwar gesehn aber irgendwie verpasst – genauso beim Mittagessen. Am Nachmittag als ich dann Zimmerstunde hatte hab ich mich verrückt gemacht mit der Frage ob er den wirklich heute meint und ob er es nicht schon vergessen hatte. Ich hab mir vorgestellt wie ich dort ankomme und er mich ganz überrascht ansieht… ja unmöglich, so wie ich eben bin… doch um kurz vor 16 Uhr kam er dann nochmal hoch in die Cafeteria und fragte ob es stehn würde, was ich mit nem Nicken bestättigt habe. Dann war er auch schon weg.  Ich hatte den grössten Teil der Pause auf der Terasse verbracht wo es mehr als heiss war… und dann, als ich drinnen wieder begonnen habe zu arbeiten und nach ner Stunde oder mal nach draussen sah…. hat es doch gegossen wie aus Eimern… super… Andy hatte ja auch sicher einen Schirm dabei… ich meine ich mag den Regen wirklich gern… aber wenn ich dann was weiss ich wie lange erstmal den Weg suche und wohinfinden soll wo ich noch nie war, jemanden besuchen soll, der mich sonst schon irgendwie nervös macht, zumindest an dem Tag… dann kann ich es nicht noch brauchen patschnass dort anzukommen…
Wie auch immer, Abendessen wurde geschickt und es Tropfte nur noch ein bisschen – viel besser…

Jede Station die ich mit dem Bus näher kam machten sich mehr Gedanken auf. Der Weg war aber einfach zu finden und so hab ich dann kurz darauf nach einem erneuten Schlucken dann mal geklingelt.

Wart, wart wart und dann der Summer, mal eben dagegen gedrückt, die Tür aufgemacht und gerade aus seh ich ihn schon, wie er dort steht mit einem Lächeln. Mich reinbittet.
Ich wurde dann erstmal mit seiner Mitbewohnerin bekannt gemacht. Es hat ziehmlich lustig begonnen, nur ein paar Augenblicke später hat nämlich das Telefon geklingelt und die Mutter der Mitbewohnerin war dran, sie war wohl zu Hause dabei einen Pullover zu stricken und so mussten H. und ich also die Mitbewohnerin ausmessen – die Mutter war über unsere Resultate geschockt, von wegen sie habe ja viel zu lange Arme dafür viel zu dünne oberarme…  es blieb uns dann auch nicht erspaart, dass H und ich auch hinhalten mussten, einfach so zum vergleich… Die Mitbewohnerin war ziehmlich geschockt, als sie feststellte, dass sie um einiges grösser war als ich aber eindeutig gegen H. wie auch mich verlor, was die Mukis anging in den Oberarmen, man nahm sich gegenseitig etwas auf die Schippe und gut war… Sie hat sich dann auch schon verabschiedet und wir blieben zurück. Es war lustig ihm beim kochen zuzusehen, auch die Tatsache das H. Deutscher ist und er Hausschuhe mit Schweizerkreuz trug… wir haben uns für Spaghetti entschieden als die dann irgendwann fertig waren, wir uns schon über die halbe Küche lustig gemacht hatten und auch sonst irgendwie am meisten vom Arbeitsort gesprochen hatten, entschieden wir uns draussen zu essen, als wir die Teller dort deponiert haben und wir nochmal in die Küche gingen um uns was zu trinken zu holen, hat er dann seinen Tomaten und dem Mozarella doch nachgetrauer und so hat er das auch noch gemacht, er war ja wenig begeistert davon, dass dann unser restliches essen bereits kalt wurde, aber Pesto kann man ja auch wunderbar im kaltem oder halb warmem Zustand essen… es wurde noch ein bisschen gescherzt bis er dann fertig war mit dem Essen, sich ne Kippe angemacht hatte und dann mal an das Thema heranwagte indem er einfach mal meinte, wir sollten da weiter machen wo wir aufgehört hatten…
Andy war dankbar dass er noch Spaghettis im Teller hatte genauso wie auch Mozarella und Tomaten und Brot… viele Möglichkeiten da dezent einen vollen Mund zu haben und nichts zu sagen…
Das hat er wohl schon realisiert, ob er ne Einleitung machen sollte, was man dann auch schnell benickte, hiess es doch man hatte noch etwas Zeit.
Irgendwie schien er mir aber wieder auf das Thema Borderline zusprechen zu kommen und ich wiederholte, was ich ihm damals schon gesagt hatte, dass es nicht darum geht…
Naja irgendwie war es dann kurz darauf an der Zeit, dass ich meinen Mund aufmachen sollte… aber irgendwie ging da gar nichts… in meinem Kopf tanzte das Wort Trans hin und her, aber über die Lippen kam es mir nicht… Ich hab beharrlich geschwiegen…
Aber irgendwie… er hatte soviel Geduld… erst meinte er es sei schwer darüber zu sprechen, ihm ginge es genauso… dann etwas später, dass wir das ja auch nie lernen würden… nach weiterem schweigen und ratlosigkeit tastete er vorsichtig heran, dass ich ja nicht zugesagt hätte, wenn ich nicht auch darüber sprechen wollte… und er hatte ja recht… klar hätte ich das Wort einfach aussprechen können… aber irgendwie… ich hab ihn dann gefragt in welche grundlegenden Kategorien er den Menschen einteilen würde…
er meinte das käme halt aufs umfeld und die PErson an… ich meinte, es gäbe aber eine Kategorie, die jedes Kind lernt… gut und böse?… vertrauenswert und nicht vertrauenswert…  ja alles gute antworten nur nicht das was ich damit eigentlich hören wollte, bezweckte ich doch damit, dass er es für mich aussprach. doch noch während ich überlegte, wie ich ihn in die richtige Richtung bekam ging ihm das nlicht auch auf, und er kam mit mann und frau… ich nickte…
Erst dauerte es einen Moment und einen fragenden blick und er klopfte mir scheinbar erleichtert auf die Schulter…
Doch er war noch nicht dort… er hatte vermutet, dass ich auf das gleiche Geschlecht stehe… was ja indirekt stimmt, aber gut, schliesslich waren wir soweit und er verstand… eine seele im falschen körper… ja wie extrem denn… na extremer gehts nicht oder?  ab wie klein… ja so klein, davor, hat das Geschlecht ja irgendwie keine Rolle gespielt… ausser das die einen zum „stamm“ der Jungs gehörten und die anderen zu den Mädchen… es gab doch keine Unterschiede… es spielt noch keine Rolle…
wir haben also etwas darüber gesprochen, er hat fragen gestellt… und es kam dann auch meine lieblingsfrage, warum ich denn die zwei jahre noch nicht in angriff genommen hätte…
Aber ganz ehrlich, ich begreif noch immer nicht, warum ich jemanden zwei jahre lang davon überzeugen muss, dass ich bin wie ich bin… was geht den das den an? Jeder andere Mensch muss auch nicht beweisen dass er ein Mann oder ne Frau ist…
Das Gespräch ging über zu Situationen in denen man halt jemanden überzeugen musste, obwohl es ihn nichts angeht, dass es im Leben viele solcher Situationen gibt… und dass er ja auch noch nicht überall geoutet ist… er sieht ja auch nicht ein, dass er in der weltgeschichte rumgehen soll und jedem den er die hand gibt sagt ja meine sexuelle Neigung ist so… er würde es ja auch nicht wissen wollen… gut ausser bei einem heissen Typen… was wir dann beide beschmunzelt haben… und von da an wurde es dann auch irgendwie lockerer… wir sind zum Teil ins Philosophische abgeschweift… haben darüber gesprochen, wie es so ist, was man sich manchmal denkt, warum, wie es uns wohl ergehen würde in der Steinzeit, ob wir da in ner völlig anderen Zeit anderen umgebung und umwelt immer noch so fühlen würden…
Wir haben uns herrlich darüber amüsiert, dass wenn mein Weg „alla transsexuel“ zu ende wäre mein Weg als Schwuler ja erst beginnen würde… tja so ist das… er hat gemeint er wolle gar nicht wissen, was ich denn in meinem vorherigen Leben so getan hätte… tja luzifers rechte Hand oder so ne? Man kann halt auch Pech haben… wir haben über die Erleuchtung nachgegrübel und über das alles… über Sophies Welt… von wegen wenn man nur in einem Traum vorkäme, was dann mit einem passieren würde wenn der träumer aufwacht, ob man noch existiert für sich…  wir haben uns über das endlose grübeln unterhalten und irgendwann kam dann auch die Mitbewohnerin zurück, es wurde noch ne halbe Stunde gescherzt geraucht getrunken und was auch immer, bevor sie sich dann ins Bett begab, und wir uns vor den TV. Ich wusste er muss um 6 aufstehn, und wir hatten sicher schon 12, als er fragte ob er mich nach Hause fahren sollte – am Ende blieb ich über nacht und bin am Morgen dann mit der Mitbewohnerin bis zum Bahnhof gefahren…

Der Morgen war auch sehr lustig… da tut sich jemand schwer mit dem aufstehen – wirklich sehr liebenswert… 
Ich muss ihn morgen mal fragen, wann er den in die ferien geht, er ist ja schon vorher weg, als ich… ich weiss nicht mal, ob er morgen da ist… aber ich hoffe es einfach mal…

Kommentare»

1. chris - 07/30/2008

…nur wenn man es versucht,ist es erreichbar…


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